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Kaufberatung

Wie wählt man ein Audio-Interface: Eingänge, Anschluss und was wirklich zählt

Wofür ein Audio-Interface gut ist, wie viele Eingänge du wirklich brauchst, wann ein Smartphone-Interface reicht und welche Spezifikationen du beim ersten Kauf getrost ignorieren kannst.

Focusrite Scarlett 2i2 4th Gen
6 Empfehlungen im Ratgeber
Inhalt
  1. Wofür brauchst du es eigentlich?
  2. Interface oder Mixer?
  3. Wie viele Eingänge brauchst du?
  4. Am Computer oder am Smartphone?
  5. Wichtige (und weniger wichtige) Spezifikationen
  6. Unsere Empfehlungen
  7. Was du neben dem Interface noch brauchst
  8. Der nächste Schritt
  9. Häufige Fragen

„Ich habe ein Mikrofon und einen Laptop – was brauche ich noch, damit es gut klingt?“ Mit dieser Frage beginnt fast jedes Gespräch über Aufnahmen zu Hause. Die Antwort ist in neun von zehn Fällen ein Audio-Interface: die Box, die zwischen Mikrofon oder Gitarre und Computer sitzt. Eine kleine Komplikation: Das gleiche Gerät läuft unter mehreren Namen (Audio-Interface, externe Soundkarte, USB-Soundkarte). Egal, wonach du gesucht hast – du bist hier richtig.

Die gute Nachricht: Du brauchst keine große Theorie, um die richtige Wahl zu treffen. Die eigentliche Entscheidung hängt von zwei Fragen ab: Wie viele Quellen willst du gleichzeitig aufnehmen und worauf nimmst du auf – Computer oder Smartphone? Die restlichen technischen Daten sind weit weniger wichtig, als es die Datenblätter vermuten lassen. Der Raum, in dem du aufnimmst, und das Mikrofon haben ohnehin mehr Einfluss auf den Klang als jede Zahl auf der Verpackung.

Wofür brauchst du es eigentlich?

Ein Audio-Interface übernimmt vier Aufgaben, die der Kopfhörerausgang deines Laptops nicht leisten kann: Es nimmt Mikrofonsignale über XLR entgegen und verstärkt sie sauber, nimmt Gitarre oder Bass direkt über Klinke auf, gibt dir latenzfreies Monitoring auf die Kopfhörer und liefert ein korrektes Signal an Studiomonitore. Für Kondensatormikrofone kommt noch etwas Wichtiges dazu: die 48V-Phantomspeisung, ohne die diese Mikrofone einfach stumm bleiben.

Fast alle Modelle werden mit Aufnahmesoftware geliefert (Ableton Live Lite, Bitwig oder einige Monate Pro Tools, je nach Hersteller), sodass du am ersten Tag keine zusätzliche Software kaufen musst. Falls dir der Begriff DAW nichts sagt, haben wir einen separaten Leitfaden zur Recording-Software; kurz gesagt: Mit dem Interface bekommst du eine DAW dazu.

Interface oder Mixer?

Unsere Faustregel: Wenn das Ziel ist, den Sound in den Computer zu bekommen – auf separaten Spuren, die du später bearbeiten kannst – brauchst du ein Interface. Ein Mixer hat eine andere Aufgabe: Er mischt mehrere Quellen live, etwa bei Proben oder Beschallungen. Einfache USB-Mixer schicken nur einen fertigen Stereomix an den Computer, den du nicht mehr auftrennen kannst. Über Mixer haben wir einen eigenen Leitfaden geschrieben, das Angebot findest du in der Kategorie Analoge Mixer. Für ein Home-Studio am Anfang ist das Interface fast immer die richtige Wahl.

Wie viele Eingänge brauchst du?

Hier entscheidet sich der Kauf. Ein Eingang reicht, wenn du immer nur eine Quelle aufnimmst: Gesang für einen Solo-Podcast, Voice-Over, Gitarre direkt ins Interface. Zwei Eingänge sind Standard – aus gutem Grund: Du kannst Gesang und Gitarre gleichzeitig aufnehmen, ein Interview zu zweit oder ein Keyboard in Stereo. Im letzten Jahr war unser meistverkauftes Desktop-Interface sogar ein Modell mit nur einem Mikrofoneingang: Scarlett Solo. Trotzdem empfehlen wir den meisten die Variante mit zwei Eingängen – du zahlst heute etwas mehr, aber der zweite Eingang erspart dir in Zukunft einen Neukauf, wenn du doch mal mehr aufnehmen willst als ursprünglich geplant.

Vier oder mehr Eingänge sind sinnvoll, wenn du mehrere Quellen gleichzeitig aufnehmen willst: Drums mit mehreren Mikros, zwei bis drei Musiker im selben Raum, dauerhaft angeschlossene Hardware-Synthesizer. Der Preis steigt, aber du musst nicht gleich auf Equipment fürs große Studio umsteigen; die USB-Interface-Kategorie deckt auch diesen Bereich ab – immer noch mit nur einem Kabel zum Rechner.

Am Computer oder am Smartphone?

Eine Zahl aus unseren Verkäufen stellt das klassische Bild des Studio-Interfaces auf den Kopf: Das meistverkaufte Produkt der ganzen Kategorie, mit über 200 Bestellungen im letzten Jahr, ist kein Desktop-Interface, sondern ein Gitarrenadapter fürs Smartphone. Der Grund ist praktisch: Zum Üben mit Kopfhörern spät abends, mit Amp-Simulationen in der App, oder um Ideen überall festzuhalten, ist das Handy in der Tasche schon das Studio. Im mobilen Bereich gibt es auch Interfaces speziell fürs Streaming, die das Signal direkt aus einem Mixer oder Instrument in den Live-Stream auf Instagram oder YouTube schicken.

Die Grenze ist erreicht, wenn du ein Kondensatormikrofon, mehrere Spuren oder ernsthafte Bearbeitung willst – dann bleibst du bei USB-Interfaces für den Computer. Die komplette mobile Auswahl findest du in der Kategorie Interfaces für iPhone, iPad und Android.

Wichtige (und weniger wichtige) Spezifikationen

Phantom Power 48V: Pflicht, wenn du ein Kondensatormikrofon nutzt, überflüssig bei dynamischen Mikrofonen. Alle Desktop-Interfaces, die wir unten empfehlen, haben sie – das Kriterium ist also praktisch immer erfüllt. Welches Mikrofon zu dir passt, erklären wir im Mikrofon-Leitfaden. Latenz (die Verzögerung zwischen dem, was du spielst, und dem, was du hörst) wird durch Direct Monitoring gelöst – eine Standardfunktion bei Interfaces dieser Klasse, plus ASIO-Treiber unter Windows.

Die Auflösung ist der Punkt, an dem Datenblätter mit Zahlen werben. 24 Bit ist aktueller Standard und bei jedem Desktop-Interface unten dabei; den Unterschied zwischen 96 und 192 kHz hört bei der ersten Aufnahme niemand. Es gibt exzellente Interfaces mit 96 kHz und schwächere mit 192 – entscheide nach Eingängen, Monitoring und Budget, nicht nach Kilohertz. Ein Detail, das im Alltag wirklich zählt: Fast alle kompakten Modelle werden direkt über USB mit Strom versorgt – auf dem Schreibtisch reicht also ein einziges Kabel.

Unsere Empfehlungen

Sechs Vorschläge aus unserem Lager für sechs verschiedene Situationen; Preise und Verfügbarkeit unten sind tagesaktuell.

Wenn du nicht lange überlegen willst, nimm die Variante mit zwei Eingängen: Das Modell, das du in fast jedem Home-Studio siehst – das rote Scarlett von Focusrite, inzwischen in der vierten Generation. Zwei Funktionen helfen Einsteigern besonders: Auto Gain, das automatisch den richtigen Pegel einstellt, und Clip Safe, das die Verstärkung senkt, wenn das Signal zu laut wird. Zwei Kombi-Eingänge, Air-Modus, 24 Bit/192 kHz und professionelle Software im Paket: Ableton Live Lite plus drei Monate Pro Tools Artist. Die Stromversorgung läuft direkt über USB (USB 3.0 laut Spezifikation), Kabel liegt bei; ein Netzteil ist nicht enthalten.

Ausgewogene Wahl

Wenn du sicher weißt, dass ein Mikrofoneingang reicht, gibt es das gleiche Scarlett auch als Ein-Kanal-Version – unser meistverkauftes Desktop-Interface, wie oben erwähnt. Es bietet Auto Gain, Clip Safe und Air-Modus der vierten Generation, die gleiche 24-Bit/192-kHz-Wandlung, zu einem günstigeren Preis.

Für eine Quelle

Für den nächsten Schritt (Hardware-Synths, mehrere dauerhaft angeschlossene Quellen, MIDI ohne Adapter) bietet das MOTU-Modell vier Eingänge (zwei Mikrofon, zwei Line), vier Ausgänge, MIDI In/Out und ein Display mit Pegelanzeigen. Der ESS Sabre32-Wandler auf der Wiedergabeseite und 120 dB Dynamikumfang an den Ausgängen sind der Grund für den höheren Preis – und das hört man auch.

Nächster Schritt
MOTUM4 4x4 USB-CAudio-Interface USB-Cauf Lager

Für Gitarristen, die ihr Studio in der Hosentasche wollen, gibt es den Adapter, der unsere Kategorie klar anführt: Gitarre in die Klinke, das Handy nimmt das Signal auf, und AmpliTube (gratis für iOS) liefert die Amps. Mit regelbarem Gain, separatem Ausgang für einen echten Verstärker und Kopfhörerausgang zum leisen Üben. Zwei Dinge vor der Bestellung: Die Verbindung zum Handy läuft über den Kopfhöreranschluss (TRRS), bei Handys ohne Klinke brauchst du also den USB-C- oder Lightning-auf-3,5-mm-Adapter des Herstellers mit Mikrofonunterstützung (Headset), nicht nur für Kopfhörer; und das Gerät ist ausschließlich für Gitarre und Bass gedacht – für Gesang mit Mikrofon bleibst du bei den oben genannten USB-Interfaces.

Für Gitarre am Handy
IK MultimediaiRig 2Audio-Interface Gitarreauf Lager

Wenn das Ziel der Livestream ist und nicht die Aufnahme einzelner Spuren, nimmt das Streaming-Interface von IK das Signal aus Mixer, Keyboard oder anderem Instrument über zwei Cinch-Buchsen (RCA) und schickt es direkt in den Instagram- oder YouTube-Livestream. Im Lieferumfang sind Kabel für alle drei Anschlüsse (Lightning, USB-A und USB-C), und der Kopfhörerausgang lässt dich genau das hören, was das Publikum hört. Auch dieses Modell ist konstant an der Spitze unserer Verkaufszahlen, zusammen mit dem Gitarrenadapter oben.

Für Streaming
IK MultimediaiRig StreamAudio-Interfaceauf Lager

Und wenn du die ganze Einkaufsliste überspringen willst, bietet das Jubiläumspaket von Presonus alles in einer Box: Interface mit zwei Mikrofoneingängen und 48V-Phantom, ein Großmembran-Kondensatormikrofon, Monitoring-Kopfhörer und die nötigen Kabel. Der Anschluss läuft über USB-B, die Wandlung endet bei 24 Bit/96 kHz – auf dem Papier weniger als bei den Modellen oben, in der Praxis aber genau das, was du brauchst, um heute deinen ersten Song aufzunehmen, ohne noch drei weitere Bestellungen.

Was du neben dem Interface noch brauchst

Das Interface ist die Mitte der Kette, nicht das Ende. Für Gesang brauchst du ein Mikrofon – unser Leitfaden hilft dir bei der Wahl zwischen dynamisch und Kondensator, das komplette Angebot findest du in der Mikrofon-Kategorie. Für Aufnahmen brauchst du geschlossene Kopfhörer, damit kein Schall zurück ins Mikrofon gelangt; wir haben einen Leitfaden zu Studiokopfhörern geschrieben, die Modelle findest du in der Kategorie Studiokopfhörer. Beim Mix hilft ein Paar Studiomonitore, um den Klang unverfälscht zu hören. Und – banal, aber oft vergessen: ein XLR-Kabel fürs Mikrofon, denn nicht jedes Interface bringt eines mit.

Der nächste Schritt

Die komplette Auswahl, mit Filtern für Eingänge und Preis, findest du in der Kategorie Audio-Interfaces. Und wenn du eine Empfehlung für deine konkrete Situation möchtest (was du aufnimmst, auf welchem System, mit welchem Budget), schreib uns – wir antworten gezielt, nicht mit einer Linkliste.

Häufige Fragen

Was ist Phantom Power (48V) und wann brauche ich sie?

Phantom Power ist die 48-Volt-Spannung, die das Interface über das XLR-Kabel an Kondensatormikrofone liefert; ohne sie geben diese keinen Ton von sich. Gewöhnliche dynamische Mikrofone benötigen sie nicht und ignorieren sie einfach; nur bei Bändchenmikrofonen, vor allem älteren, ist es sicherer, 48V ausgeschaltet zu lassen. Praktisch: Hast du ein Kondensatormikrofon, drückst du die 48V-Taste am Interface; ist es dynamisch, bleibt sie aus. Achtung bei Gitarrenadaptern fürs Smartphone wie iRig 2: Diese haben weder Mikrofonvorverstärker noch Phantom Power.

Kann ich ein Audio-Interface mit dem Smartphone nutzen?

Ja, auf zwei Wegen. Es gibt speziell fürs Smartphone gebaute Interfaces: Gitarrenadapter und Streaming-Interfaces, die direkt an iPhone, iPad oder Android angeschlossen werden. Viele USB-Interfaces für den Computer funktionieren ebenfalls am Smartphone, wenn sie „class compliant“ sind: Sie werden über USB-C (bei älteren iPhones mit Lightning-Anschluss über einen Adapter von Apple) verbunden, ohne Treiber. Wichtig zu prüfen: Das Smartphone versorgt das Interface aus dem eigenen Akku – größere Modelle können daher eine externe Stromquelle oder einen aktiven USB-Hub benötigen.

Was bedeutet 24 Bit/192 kHz und wie wichtig ist das?

Das sind die Auflösung und die Abtastrate: Sie bestimmen, wie fein das Signal digitalisiert wird. 24 Bit ist aktueller Standard und empfehlenswert, weil du damit mehr Spielraum beim Pegel hast. Eine Abtastrate über 96 kHz ist dagegen eher ein Datenblatt-Argument: Bei ersten Aufnahmen von Gesang oder Gitarre hört man keinen Unterschied zwischen 96 und 192 kHz. Wähle dein Interface nach Anzahl der Eingänge, Monitoring und mitgelieferter Software, nicht nach Kilohertz.

Warum höre ich beim Aufnehmen eine Verzögerung und was kann ich tun?

Die Verzögerung nennt sich Latenz und entsteht, weil das Signal erst durch den Computer und die Software läuft und dann zurück auf die Kopfhörer kommt. Die sofortige Lösung ist Direct Monitoring – also der „Direct“-Schalter oder -Regler am Interface, der das Signal direkt auf die Kopfhörer gibt, bevor es in den Computer geht – ganz ohne Verzögerung. In der Software helfen unter Windows der ASIO-Treiber und ein kleinerer Buffer während der Aufnahme, den du beim Mischen wieder erhöhen kannst.

Kann ich das Interface als normale Soundkarte für Musik und Spiele nutzen?

Ja, und das ist sogar einer der angenehmsten Nebeneffekte: Einmal installiert, wird das Interface zur Soundkarte deines Computers – für alles, was aus ihm herauskommt. Die bessere Wandlung und der kräftigere Kopfhörerverstärker machen sich sofort bei Musik, Filmen und Spielen bemerkbar. Viele Kunden berichten, dass sie das Upgrade zuerst beim Hören und nicht beim Aufnehmen bemerkt haben.

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